UKGC - Peacing it together

“Peacing it together”

Ein Seminar der UK-German-Connection (UKGC)

Die UKGC:

Die UKGC wurde 2005 von Queen Elisabeth II. und dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler gegründet mit dem Ziel britische und deutsche Jugendliche zusammen zubringen und die deutsch-britische-Freundschaft zu stärken. Mittlerweile werden eine Vielzahl von Projekten von der UKGC betreut, wie zum Beispiel Schüleraustausche, Fremdsprachenassistenzprogramme oder Schülerseminaren zu Themen von Kunst und Theater bis hin zu Geschichte und Wissenschaft.

Teilnahme an Projekten:

Die Anmeldung und Teilnahme ist ziemlich einfach. Ein Englischlehrer muss in der Regel nur eine kurze Bewertung schreiben, die die Eignung des Schülers bestätigen. Die Kosten wurden in meinen Fällen zu sehr großen Teilen von der Organisation getragen, sodass ich hier keine hohen Ausgaben hatte. Die UKGC schafft es, wie ich es selbst erfahren und mir auch im Austausch mit anderen Teilnehmern bestätigt wurde, stets sehr harmonische Gruppen zusammenzustellen, in den man sich geborgen und wohlfühlt. Die Sprache während den Seminaren ist Englisch, aber sämtlichen Betreuer sprechen Deutsch und die Sprache sollte niemanden abhalten, sich nicht anzumelden.

„Peacing it together“

Anfang November hatte ich die Möglichkeit am oben genannten Seminar teilzunehmen. Das Thema war die Aufarbeitung des Nordirlandkonfliktes, welcher passenderweise Thema im Englischunterricht der 12. Klasse ist.

Zusammen mit circa 20 anderen deutschen Schülern aus der ganzen Republik flog man nach Dublin, weiter nach Belfast, um sich dort mit nordirischen Schülern über dieses – leider wieder aktuelle – Thema auszutauschen.

Für das Seminar hatte sich die UKGC-Connection sehr bemüht einen abwechslungsreichen, spannenden und kurzweiligen Ablauf zu erstellen.

Zum Anfang des Bildungsteiles des Seminars erhielten die Teilnehmer einen Vortrag vom wohl bekanntesten nordirischen Professor für Entwicklung und Bildung Tony Gallagher über „Shared Education“. „Shared Education“ (gemeinsame Bildung) beschreibt ein Schulmodell bei dem sowohl Protestanten, als auch Katholiken dieselben Klassen besuchen. Normalerweise besuchen die nordirischen Schüler je nach Religion die jeweils entsprechend geführte Schule. Skurril dabei ist, dass man je nach Religion einen anderen Lernplan hat, wodurch die Aufklärung des Nordirlandkonfliktes sehr subjektiv abläuft und eher den religiösen Überzeugungen als den Fakten entspricht. Das Projekt läuft seit mehreren Jahren und jährlich steigen weiteren Schulen ein, sodass sich die Barriere zwischen protestantischen und katholischen Schüler in Zukunft verringern kann.

Nach einem kurzen Gang durch Belfasts Stadtzentrum begaben sich die Teilnehmer auf eine Stadtrundfahrt mit Stopp an den sogenannten „Peace Walls“. Diese Mauern sind bis zu acht Meter hoch und trennen das extrem katholische Viertel mit der prominenten „Falls Road“ vom extrem protestantischen Viertel mit der „Shankill Road“ als Hauptstraße. Ähnlich wie die Berliner Mauer damals gibt es an den „Peace Walls“ zahlreiche Graffiti. Als Gruppe bestand die Möglichkeit einen individuellen Satz auf die Wand zu schreiben. Es wird geplant, die „Peace Walls“ ab 2023 abzubauen, aber die nordirischen Schüler sahen dies als sehr unwahrscheinlich, da die Wunden der Attentate, die vor allem auf den oben genannten Straßen stattfanden, noch zu tief sind und daher das Sicherheitsgefühl verloren gehen würde und die Wahrscheinlichkeit des Aufflammens des Konflikts als gegeben gilt, insbesondere wenn der Brexit tatsächlich ohne nachhaltige Lösung für den Umgang mit der irisch-nordirischen Grenze abläuft.

Im weiteren Verlauf der Stadtrundfahrt erhielten die Teilnehmer einen Blick auf das Titanic-Museum und die Drehorte von „Game of Thrones“. Der Abschluss der Bustour war das nordirische Parlament Stormont. Auch hier zeigt sich die Aktualität des Nordirlandkonfliktes. Seit über 750 Tagen wurde kein Gesetz mehr in diesem Haus erlassen, da bei Wahlen mehrheitlich nach Religion und nicht nach Inhalten gewählt wird. Dadurch entsteht keine absolute Mehrheit bzw. eine regierungsfähige Koalition.

Nach kurzer Erholungsphase in der Unterkunft begann der aktive Arbeitsteil des Seminars. Als Vorbereitungsaufgabe musste jeder Teilnehmer einen Gegenstand von zu Hause mitbringen, der eine gemeinsame Zukunft und/oder eine geteilte Vergangenheit verkörpert. Aufgeteilt in kleinere Gruppen wurden Themen, wie Möglichkeiten der „Shared Education“ oder Lerneffekte für Deutschland und Nordirland mit den jeweiligen Mauern besprochen und danach dem Plenum vorgestellt.

Viel zu schnell kam der Sonntagmorgen und der Aufbruch. Neben der aktuellen und perfekt abgestimmten Thematik hat die harmonische Gruppe das Wochenende zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht.

Ich kann jedem nur empfehlen sich an den Seminaren zu beteiligen, denn man erlebt etwas einmaliges zusammen mit super freundlichen und netten Menschen, die dir auf gleicher Wellenlänge begegnen.

Bei Fragen zu Seminaren der UKGC oder anderen Projekten der Organisation stehe ich gerne Rede und Antwort im Felde meines Kenntnisstandes.

Lukas Träger, Q12